23.53 Uhr // Wir sind Helden – Wenn es passiert
Gelassenheit ? Frohsinn ? Vor Motivation und Freude sprühend ? Gerade eher nicht. Ich will gleich zum Thema kommen. Dienstag war also die offizielle Abitursfeier des Jahrgangs 2009. Es war ein ganz netter Abend, ich sah einfach verdammt gut aus in meinem Anzug (verdammt, ja!) und als ich dann noch mein Zeugnis hatte war ich auch verdammt stolz darauf. Doch dann kippte der Abend, mit der Eröffnung des Buffets. Ein Fingerfood Buffet, das gefühlte 5 Minuten stand halt, ehe es völlig abgegrast war. Zu allem Unglück hatte ich meine Karte vergessen und musste 10 Minuten auf meine Schwester warten, die sie mir mitbrachte. 5 Minuten zu spät, kein Spießchen, kein Salätchen, kein Zahnstocher mehr übrig. Wie die Heuschrecken, aber echt. Na gut, die Bühnenshows waren dafür wieder um einiges besser, viel Entertainment und Witz
bis dann schließlich der heiß ersehnte Abifilm dran war. Das Beste kommt eben zum Schluss, oder nicht ? Not. Okay, die Begeisterung und Motivationen strebten stets gegen 0, was die Mitarbeit des Films bezüglich betrifft, aber er war wirklich so schlecht, dass einige das Weite suchten. „Spul mal vor!“ „Mach mal was!“ hörte man aus der Menge (zum Großteil auch von mir), bis dann schließlich das Licht an ging und es durch den Lautsprecher tönte „Joa..räume ma jetzt auf“. Licht, zack, Ende, was zum Teufel ? Die Abiturienten, alle im feinen schnieken Dress mussten abbauen. Die Hälfte hatte sich mittlerweile eh verzogen und während des Abbaus verließen auch weitere das Haus, also war nur nur noch eine handvoll übrig, die weiterfeieren wollten.Und damit war mein ganzer Abgang aus der Schule zerstört. Ich hatte mir genau ausgemalt, wie mein letzter Abend an der Schule enden soll. Wirklich, jedes Detail war perfekt durchdacht und überlegt. Im Hintergrund ein schnulziges Lied, das zum Heulen einladen würde, alle Abiturienten auf der Bühne das letzte Mal vereint, jeder hält jedem im Arm, jeder mit diesem Abschiedsgefühl. Die einen heulen, die anderen verkraften es gerade noch mit der Übermalung des heroischen-ins-Licht-Blickens. Keiner würde sagen „Endlich, ihr Säcke“. Jeder würde betroffen sein und sich in den Armen liegen, bis schließlich das Licht ausgeht. Aber nein. Licht, zack, Ende, was zum Teufel.
Im Carambolage ging es dann schließlich weiter, wenigstens waren noch etwa 20 bis 30 Leute da. Hier stand der Fokus dann völlig auf „Abschießen“. Ein Shot, Bier nach dem anderen bis dann schließlich auch das Carambolage um 5 Uhr seine Türen schloss und die letzten vor der Uni standen. Bis dahin haben sich weitere Leute verabschiedet, mehr zwecksmäßig als herzlich, nach dem Motto „Tschau, bis Montag in der Schule“. Und dann überkams mich einfach, ich war zwar voll wie ‘ne Wanne, aber in diesem Moment war ich mir völlig bewusst, dass ich nicht wegen der Mischung Alkohol + Abschied heulen musste, sondern einzig und allein des Abschieds wegen. Es war zwar nur noch die übliche Runde geblieben, aber es war so heftig. Die offizielle Feier ließ einem keine Chance, damit angemessen fertig zu werden, damit abzuschließen. So arg musste ich seit langem nicht weinen.
Gedankensprung. Am Samstag stand ja Agostea an, ein letztes Mal mit Christina, die morgen nach München fährt für sechs Monate. Beim Luki vorgeglüht, alle gut dabei, Stimmung, Ago voll und so weiter. Sogar Timur war da, mit dem ich mich überraschender Weise wieder so unterhalten hab, wie zu Prager Zeiten, wo man die ein oder anderen Geheimnisse austauschte und tiefgründigere Gespräche führte. Was ich davon halten soll, weiß ich jetzt immer noch nicht, da Timur eine dieser dubiosen Personen sind, die ich nie richtig einschätzen kann (und ich behaupte einfach mal, dass ich Menschen ganz gut einschätzen kann). Nun denn, auch im Agostea war dann Ende Gelände und da kam wieder dieses Gefühl. Ich musste allein heimfahren, da Chrissi abgeholt wurde und die anderen mit dem Rad unterwegs waren, also saß ich im NL3 und hatte nichts zu tun. Ich dachte nach. „Deine beste Freundin ist weg, 6 Monate. Und niemand weiß, ob es wirklich nur 6 Monate sind“. Diese Tatsache war dann Auslöser, wieder an die ganze Truppe zu denken. Es gab einfach keine Chance, sich angemessen zu verabschieden und das macht die Sache so schwer. Egal, wie sehr ich mich darüber gefreut habe, dass ich die ganzen Spackos und Schlampen nie wieder sehen muss. Egal, wie sehr ich mich darauf gefreut habe, nie wieder Herr Baumann sehen zu müssen und egal, wie sehr ich mich darauf gefreut habe, nie wieder diesen Stress haben zu müssen. Es ist war, jeder Ehemalige, der sagt, dass er gerne nochmal in die Schule gehen würde, er hat Recht. Zwar wohl auch, weil es in der Schule um einiges lockerer war, als in der Arbeitswelt. Aber wenn ich daran denke, dass zuerst meine beste Freundin, mit der ich die beste und erfolgreichste Mann-Frau-Freundschaft hatte, dann muss ich auch daran denken, dass sich auch der Freundeskreis so schleichend auflösen wird. Die Stufenkollegen, mit denen man sowieso nichts zu tun hatte, sind eh schon weg. Aber es fängt schon mit den oberflächligen Beziehungen an, die durchaus positiv waren. Dann kommen die engeren Beziehungen, mit denen man auch das ein oder andere Mal weg war. Und dann, der Freundeskreis. Die äußere Schicht, die immer dabei waren. Schließlich der enge Kern, der irgendwann nicht mehr besteht aufgrund der Arbeitswelt und der unterschiedlichen Zukunftsgedanken. Dass Chrissi weg ist, war für mich ja schon ein Faustschlag. Aber was mach’ ich bei Mazze, Bechtl, Lukas oder Jens ? Bei Sophie ? Wenn ich sehe, dass mehr und mehr Leute kommen und sagen, sie wollen doch lieber noch eine Weile in Karlsruhe bleiben, da wird mir ganz komisch, wo in meinen Zukunftsplänen ja auch noch ein großes Fragezeichen bezüglich des Studiumortes steht.
Das ist, ehrlich gesagt, für mich sehr schwer momentan. Es ist irgendwie erleichternd, dass es anderen Leuten ähnlich geht (siehe Jens Blog). Aber man fühlt sich auf einmal so allein gelassen, die Familie steht hintendran, aber kann auch nicht so richtig über den Verlust hinweg trösten. Und wirklich sprechen konnte ich darüber auch mit niemandem, Sophie musste arbeiten die letzten Tage, die beste Freundin war schließlich mit München beschäftigt. Und da schreiben frei macht, könnt ihr hier erstmal meine Gedanken dazu erfahren, Leidensgenossen dürfen sich melden. Abschiede sind hart.